Pfingsten – Schawuot – Wochenfest. Entdecke den Zusammenhang vom AT und NT

Ursi_Schönenberger

Ich habe mich am Tag der Erstlings­früchte von euch ver­ab­schiedet und freue mich, euch – wie ver­sprochen – nach 50 Tagen hier wieder zu tre­f­fen. (Pentecost/Pfingsten bedeutet 50) Denn Gott hat anstelle eines exak­ten Datums für dieses Fest  beschlossen, dass die Israeliten zählen sollen: „Und ihr sollt für euch zählen … sieben volle Wochen… (darum auch Wochen­fest genannt). Bis zum andern Tag nach dem siebten Sab­bat sollt ihr fün­fzig Tage zählen. Dann sollt ihr dem HERRN ein neues Speisopfer dar­brin­gen…“  3. Mose 23, 15–17.

Es gibt in Gottes „Fes­tkalen­der“ also zwei Feste zu Beginn einer Ern­tezeit (Ger­ste und Weizen) und dazwis­chen genau 50 Tage – das lässt die Ver­mu­tung zu, dass sich hin­ter diesem speziellen Zeit­plan beson­dere Gedanken des Vaters ver­ber­gen. Mehr dazu später.

Schawuot im Alten Tes­ta­ment – das ursprüngliche Fest

Schawuot, das vierte der Früh­lings­feste, war ein fro­hes Fest der Dankbarkeit für die neue Ernte, die Weizen­ernte. Die Israeliten soll­ten ein frei­williges Opfer brin­gen als Dank für den Segen des HERRN, sich vor ihm freuen und vor ihrem Gott feiern, ein Tag der heili­gen Ver­samm­lung ohne jegliche Arbeit. Es war auch ein Wall­fahrts­fest, denn drei Mal im Jahr – am Fest der Erstlings­früchte, an Schawuot und am Laub­hüt­ten­fest – sollte alles, was männlich war, vor dem HERRN erscheinen, und sie soll­ten nicht mit leeren Hän­den kom­men! (3. Mo. 23, 15–20)

Es gab aber noch etwas ganz Spezielles an diesem Fest: neben den vorgeschriebe­nen Tieropfern gab es zwei Läm­mer als Frieden­sopfer und zwei lange, flache Brote aus Weizen­griess, gesäuert und gebacken, als Erstlinge für den HERRN. Wie wir ja vom let­zten Blog wis­sen, ist Sauerteig aber ein Sym­bol für Sünde. Deshalb durften diese Brote nicht auf dem Altar in Rauch aufge­hen, son­dern sie wur­den vom Priester auf und ab geschwun­gen als eine Art Bittge­bet für eine gute Ernte, und dann für das Festmahl der Priester bei­seite gelegt. Auch auf die Bedeu­tung dieser zwei Brote möchte ich später noch eingehen.

Verän­derung

Wie bei anderen Fes­ten Israels auch, wur­den im Laufe der Zeit gewisse Bräuche und Tra­di­tio­nen hinzuge­fügt. Vielfach standen diese Verän­derun­gen aber auch im Zusam­men­hang mit der Zer­störung des Tem­pels. So bei diesem Fest. Zur Zeit der Beset­zung Judäas durch die Römer litt das Volk sehr unter ihrer harten Herrschaft. Immer wieder ver­suchte es diese durch Auf­stände abzuschüt­teln, was aber stets eine noch grausamere Bedrück­ung zur Folge hatte. Im Jahre 70 n.Chr. wurde Jerusalem von den Römern bru­tal geplün­dert, der Tem­pel dem Erd­bo­den gle­ichgemacht und die Juden aus ihrer Haupt­stadt ver­trieben. Im Jahre 135 n.Chr. war die Ver­wüs­tung total: 580 000 jüdis­che Tote, 985 Dör­fer in Schutt und Asche, der Boden ver­wüstet, Zehn­tausende in die Sklaverei verkauft und den Juden unter Todesstrafe ver­boten, ihre Haupt­stadt zu betreten. Es herrschte grosse Verzwei­flung unter dem Volk und ohne Tem­pel war die Ein­hal­tung der Feste, so wie Gott sie geboten hatte, nicht mehr möglich. Damit dieses Fest weiter beste­hen kon­nte, beschlossen die geistlichen Führer, es in einen his­torischen Zusam­men­hang zu stellen und Schawuot mit dem Tag der Geset­zge­bung am Sinai in Verbindung zu brin­gen, denn dieser fand im gle­ichen Monat statt. Ich bin ganz sicher, dass Gott bei diesem Beschluss ihre Herzen gelenkt hat, denn wir haben ja bei den let­zten drei Fes­ten gese­hen, wie die Erfül­lung im Neuen Tes­ta­ment auf den Tag genau geschah!

Schawuot im Alten Tes­ta­ment – Der neue Inhalt des Festes:

Gottes Bund mit Israel – Die zehn Gebote

So wollen wir uns diesem Ereig­nis zuwen­den, das dem heuti­gen Schawuot seinen Inhalt gibt: Mose war auf dem Berg Sinai bei Gott, und dieser schrieb mit Seinem Fin­ger aus dem Feuer die zehn Gebote auf zwei Steintafeln. (5. Mo. 2,4) Diese Gebote waren Gottes Bund mit Seinem Volk. (1. Kö. 8,9) Und das Volk (als Bun­despart­ner) sprach: Wir wollen tun und hören! Viele Juden assozi­ieren diesen Bund auch mit einem „Heiratsver­trag“, einer Ketubah, zwis­chen Gott und Israel, denn Gott stellt sich selbst immer wieder als Israels Ehe­mann vor (Jes. 54,5) und spricht auch über die Untreue „der Frau“. Gott wusste schon damals, dass Sein Volk diesen Bund nicht hal­ten würde. In Seiner Liebe zu ihnen plante Er schon Neues: „Siehe, Tage kom­men, da schliesse ich mit dem Haus Israel und dem Haus Juda einen neuen Bund Ich werde mein Gesetz, (aus dem hebräis­chen über­setzt auch „meine Worte“ / meine Thora) in ihr Inneres legen und werde es auf ihr Herz schreiben…“  (Jer. 31,31–33) So ist Schawuot im heuti­gen Israel ganz auf dieses Ereig­nis aus­gerichtet. Geset­zestreue Juden bleiben gewöhn­lich die ganze Nacht wach, um die Thora (5 Bücher Mose) zu studieren und zu disku­tieren. Es wer­den die Anfangs– und Schlussverse aller Sab­batle­sun­gen, die Anfangs– und Schlussverse eines jeden Buches und das ganze Buch Rut gele­sen und bei Tage­san­bruch strömt eine grosse Men­schen­menge auf den Platz vor der Klage­mauer um zu beten.

Die Erfül­lung im Neuen Tes­ta­ment:  Pfin­g­sten – Gottes Bund wird lebendig durch den Heili­gen Geist

Jahrhun­derte nach dem spek­takulären Ereig­nis als Gott auf den Sinai hin­unter kam mit Feuer, Rauch und Hörn­er­schall (2. Mo. 19, 16ff), um Sein Volk „zu tre­f­fen“, waren an Schawuot etwa 120 Per­so­nen wartend im Gebet in Jerusalem beisam­men, da „geschah aus dem Him­mel ein Brausen, als führe ein gewaltiger Wind daher und erfüllte das ganze Haus, wo sie sassen. Und es erschienen ihnen zerteilte Zun­gen wie von Feuer, und sie set­zten sich auf jeden Einzel­nen von ihnen. Und sie wur­den alle mit dem Heili­gen Geist erfüllt…“  Apg. 2, 1–4  Jesus war in Seiner Zeit auf Erden das fleis­chge­wor­dene Wort Gottes. Dann sagte Er: „Wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch.“ (Joh. 16,7) Und weiter: „Wer mich liebt, der wird mein Wort hal­ten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir wer­den zu ihm kom­men und Woh­nung bei ihm nehmen.“ (Joh. 14,23) Das bedeutet, Jesus selbst (das Wort), aber auch das Wort (die Schrift/Thora) wird in uns lebendig! Der Bund Gottes wird jetzt mit Feuerzun­gen nicht mehr auf stein­erne Tafeln, son­dern auf fleis­ch­erne Herzen geschrieben! Trotz­dem soll­ten wir ver­ste­hen: Diese Ver­heis­sung galt zuerst Seinem Volk Israel! Zur Zeit von Pfin­g­sten waren Juden aus aller Welt in Jerusalem ver­sam­melt, um an Schawuot den Bund, den Gott mit ihnen geschlossen hatte, zu bestäti­gen und zu feiern. 3000 von ihnen ging dann die Pfin­gstrede des Petrus „durch’s Herz“ und sie wur­den erret­tet. Für die diejeni­gen Juden, die ihren Mes­sias noch nicht erkan­nten, besteht Jer. 31,31–33 weiter als Ver­heis­sung, für die mes­sian­is­chen Juden und für die Gemeinde Jesu ist es eine wun­der­bare Tat­sache gewor­den:  „Ihr seid ein Brief Christi… geschrieben nicht mit Tinte, son­dern mit dem Geist des lebendi­gen Gottes, nicht auf stein­erne Tafeln, son­dern auf Tafeln, die fleis­ch­erne Herzen sind.“ (2. Kor. 3,3)

Die zwei ungesäuerten Brote

Wir wollen nochmals zurück­ge­hen zum ursprünglichen speziellen Inhalt des Festes, zum Schwin­gen der zwei ungesäuerten Brote vor dem HERRN. Warum zwei? Zwei ist eine bedeut­same Zahl in der Bibel und kommt immer wieder vor. Beispiele: zwei Häuser Israels, die bei­den unzüchti­gen Schwest­ern, die bei­den Oliven­bäume, die bei­den Zeu­gen, zwei Steintafeln, zwei sil­berne Trompe­ten etc. Und was bedeuten die Brote? Von allen beschriebe­nen Getrei­deopfern sind die zwei Brote des Wochen­festes die Einzi­gen mit Sauerteig. Es ist anzunehmen, dass sie ein Bild sind für die zwei Häuser Israel – Juda und Ephraim –  die wegen ihres Unge­hor­sams von Gott zer­streut wur­den und noch immer getrennt sind. (Im Gegen­satz dazu ste­hen die 12 ungesäuerten Schaubrote in der Stift­shütte als Sym­bol der Ein­heit der 12 Stämme Israels vor dem HERRN.) Römer. 11,16a „Wenn aber das Erstlings­brot heilig ist, so auch der Teig.“ Jesus ist der Erstling, das heilige Brot ohne Sauerteig (Sünde) und heiligt damit den ganzen „Teig“. Er ist unser aller Brot des Lebens.

Die 50 Tage

  • Im alten Israel war jedes 50. Jahr ein Jahr der Freilas­sung. Sklaven wur­den freige­lassen, Schulden wur­den erlassen, Land wurde zurück­gegeben etc.
  • Die Zahl 50 ist ein Sym­bol für Freilas­sung, Frei­heit, Wiederherstellung.
  • 50 Tage liegen zwis­chen dem Fest der Erstlings­früchte, dessen Erfül­lung die physis­che Aufer­ste­hung Jesu ist und Schawuot, dessen Erfül­lung die geistliche Wieder­her­stel­lung ist; der lebendig gewor­dene Bund Gottes, geschrieben auf unsere fleis­ch­er­nen Herzen. Deshalb glaube ich, dass dieses Fest auch prophetisch gedeutet wer­den darf auf die Wieder­her­stel­lung von Ephraim und Juda.

Wie feiere ich per­sön­lich dieses Fest?

Ich schwenke keine gesäuerten Brote vor dem HERRN oder studiere die ganze Nacht die Bibel. Aber ich nehme die Last des noch nicht wieder vere­in­ten Hauses Israel auf mein Herz und ins Gebet. Ich per­sön­lich glaube, dass die Spal­tung in die bei­den Kön­i­gre­iche Juda und Israel der Anfang all der Tren­nun­gen war, die sei­ther durch unsere Kirchengeschichte liefen und immer wieder neue Spal­tun­gen her­vor­riefen. Und ich bin überzeugt, dass ihre Wiedervere­ini­gung grossen Segen für die Welt aus­lösen wird. Es ist mir bewusst, dass ich hier nur einen ganz kleinen Teil des gewalti­gen Wirkens des Heili­gen Geistes tang­iert habe. Einer meiner Lieblings-Verse der Bibel lautet: „…denn Gott gibt den Geist ohne Mass!“ Johannes 3,34b. - Das feiere ich täglich – nicht nur an Pfingsten.

Ursi Schö­nen­berger, Lei­t­erin Team Für­bitte Ebenezer, Link: www.operation-exodus.org, schreibt regelmäs­sig für den city church blog zum Thema „Jüdis­che Feste“

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1 Kommentar

  1. Giacomo Cocola

    Di 22nd Mai 2012 at 13:30

    Sehr span­nend diese Zusam­men­hänge aufgedeckt zu sehen!
    Rufen wir unseren grossen Bruder in den neuen, lebendi­gen Bund, im Heili­gen Geist hinein.
    Danke Dir liebe Ursi!

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